Letzte Woche auf der MedConf

Letzte Woche fand, wie jedes Jahr, die MedConf in München statt. Und wie jedes Jahr war es eine interessante Konferenz. Am Morgen des zweiten Konferenztages hielt Prof. Johner seine Keynote, diesmal mit  dem Titel „Schneller (dank) dokumentieren“. Sie finden diese Keynote übrigens unter www.johner-institut.de/medconf.

In der Keynote ging Prof. Johner näher auf die Bedingungen und Umstände ein, die verhindern, dass Entwicklungsprojekte so dokumentiert sind, wie sie es verdienen, und zwar, weil dies sinnvoll ist und weil es regulatorisch gefordert ist. Der Vortrag war wie immer ein Genuss: Es war genau die richtige Mischung aus Sachthemen, gespickt mit einigen scharfen – aber nicht zu scharfen – Feststellungen über Missstände und Vermutungen über die Ursachen dieser Missstände. All dies wurde selbstverständlich perfekt vorgetragen, wie man es von Christian Johner gewohnt ist.

Sie merken, mir hat der Vortrag gefallen. Aber in der Keynote finden sich auch einige Feststellungen, bei denen ich doch Bauchschmerzen bekomme. Und ich möchte erläutern, warum das so ist: Durch die Keynote zieht sich das Bild eines „Coders“, der seine Befriedigung aus mehr oder weniger eleganten Hacks zieht, der aber keine Lust hat, beim Kodieren sein Gehirn einzuschalten, oder etwa gar daran zu denken, ein Design zu erstellen und seinen Code zu dokumentieren oder zu testen.

Nun gebe ich zu, auch persönlich etwas betroffen zu sein, da ich ja selbst 20 Jahre lang Software entwickelt habe. Sicherlich, es mag auch den einen oder anderen der erwähnten „Coder“ geben, aber üblicherweise findet sich so etwas heute in freier Wildbahn nicht (mehr).  Ich will damit nicht sagen, dass bei Herstellern von Software oder gar Herstellern von Medizingeräten keine Produkte zu finden sind, deren Architektur, Design und Code kaum bis gar nicht dokumentiert sind, und die bestenfalls unzureichend getestet sind. Das gibt es, und ich kenne es aus meiner Beratungspraxis ebenso wie Prof. Johner aus seiner. Aber den, in der Keynote erwähnten, genusssüchtigen „Coder“, der überwiegend seinem Spieltrieb nachgeht, treffe ich bei meinen Kunden nicht an. Was ich sehe, sind sehr gewissenhafte Entwickler, deren Ehrgeiz darin besteht, qualitätiv hochwertige und sichere Produkte zu erstellen.

Worauf sind dann aber die immer wieder anzutreffenden Missstände zurückzuführen? Ich vermute, es liegt an Folgendem:

  • Fehlende Erfahrung . Auch wenn es wohl mittlerweile zur Ausbildung eines Informatikers gehört, über moderne Software Engineering-Praktiken Bescheid zu wissen, sind Absolventen einer Hochschule halt (noch) keine Praktiker.
  • Fehlende Aus- und Weiterbildung. Ich erlebe es noch zu häufig, dass Entwickler Weiterbildungen nicht besuchen können, weil sie innerhalb eines Projektes benötigt werden. Aber Wissen in der IT veraltet schnell. Und das gilt für Methoden zur Erstellung und Dokumentation von Architektur ebenso, wie auch für effiziente und effektive Testmethoden.
  • Termine und das Management. Ich habe es mehr als einmal erlebt, dass Entwickler aktiv die Umsetzung der beanstandenen Praktiken gefordert haben, jedoch durch das Management, aus Kosten- und Termingründen, gebremst wurden.

Natürlich gibt es auch „gute“ Hersteller. Ich möchte ebenso wenig wie Prof. Johner, alle Hersteller über einen Kamm scheren. Aber dass es Missstände gibt, kann nicht bestritten werden. Es gibt also noch viel zu tun …

 

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